Das Krokodil erscheint adrett
im Frühjahrsbrokat
und hat den Dolch im Gewande-
hintenrum schlugen es
die Häscher im Bande.
Was wolltest du mit dem Dolche sprich?”
entgegnet ihm finster mein “
Wüter-Ich”
“Die Stadt vom Tyrannen befreien”,
grunzt das Krokodil sehr sonniglich.
Ich zische einer Schlange gleich
“
Das sollst du am Kreuze bereuen.”
“Ich bin”, spricht jene jedoch,
“zu sterben bereit Und bitte nicht um mein Leben:
du willst sicher Gnade mir geben, wie immer,
denn gütig bist du und von Einfalt getroffen.
Leider bist du als Kleinkind
nicht in der Donau ersoffen.”
Die Krokodilfrau zuckt die Achseln,
lacht hämisch und geht.
Als Dämon verlässt sie den Ort, übergibt mir
den Hass des Dorfes-
Ich lächle diesmal mit arger List,
verstell’ mich so, wie sie es mich gelehrt:
Drei Tage wollt' ich ihr schenken;
Wenn verstrichen, die Frist,
das Krokodil nicht zurückgekommen ist-
So müsste endlich sie statt meiner erblassen,
und man mir die Strafe erlassen.
Das Krokodil nickt hinter der Hecke
wissend, dass es ein Verräter ist-
schweigend umarmt mich
mein einzig treuer Freund
er ziehet ebenfalls von dannen,
mir zu helfen.
Und eh’ das dritte Morgenrot scheint,
ist er wieder mit mir vereint.
Eilt heim mit sorgender Seele,
damit er die Frist nicht verfehle.
Der Regenmann jedoch spielt ein böses Spiel,
hindert derart am Heimweg,
so dass er Zeit ihm stehle,
doch der Dämon -
das Krokodil, bleibt verschwunden.
Die Freundin wollt' der Freund im Stich nicht lassen.
“Ich habe nichts als mein Leben,
das muß ich der Geliebten geben!”
Und Erstaunen ergreifet die Menschen im Dorf,
In den Armen liegen sich beide nun-
weinen vor Freude wie Kinder.
Wo bleibt der Menschenschinder?
Da! Das Krokodil
biegt um das Hügeleck,
hat Schaum vor dem Mund
und den Dolch im Gewande
“ihn schlugen die Häscher im Bande”,
ruft das Dorf.
Wir beide blicken verwundert dorthin.
“Was willst du, du Ungetier?
Du hast kein Herz,
du bist nicht treu,
wolltest mich als Kind in der Donau ersäufen.
Ich nehme dich nicht zum Genossen an.
Ich gewähre dir keine Bitte.
In unserm Bunde wirst du niemals der Dritte.
Verschwind’ von meinem Land
und meinem Tal
noch vor dem nächsten Sonnenstrahl!”
sag’ ich und mache kehrt
in Anstand und Sitte.
Ich verweise auf die unübertroffende Lesung der Schiller'schen
"Bürgschaft" durch
Oskar Werner. Einem großartigen Künstler, den ich verehre.Hier passend zum Gedicht gepostet.